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mélange baroque

           

 

Begriffsbestimmungen
(bei vielen Lektionen und ihren Bezeichnungen muss man Unterschiede 
durch zeitliche und regionale Entwicklungen beachten
)

Remonte-Ausbildung 

Ausbildungsabschnitt der Remonte bis zum Abschluss der Grundausbildung, die auch leichtere Elemente der Campagne-Schule beinhaltet. Remonte ist die Bezeichnung für junge Pferde in der Grundausbildung: Junge Remonte = 1. Ausbildungsjahr, Alte Remonte = 2. und ggf. 3. Ausbildungsjahr) 

Campagne-Schule 

Weitere Schulung des Pferdes für die Gebrauchsreiterei, also zu einem gut rittigen Reit- und Geländepferd. Die Ausbildung beinhaltet Rückwärtsrichten, Volten, Schulterherein,  Konterschulterherein, Travers, Renvers, Traversalen, Fliegende Wechsel und Pirouetten.

Hohe Schule (spanisch: Alta Escuela)
Im Zeitalter der Renaissance (Pluvinel) und des Barock (Guérinière) entwickelte sich das Reiten von der Gebrauchs- und Kriegsreiterei zu einer Kunstform der Reichen und Adeligen – nur um der Reitkunst selbst willen und zur reinen Freude des Betrachters (l’art pour l’art). Die Hohe Schule wurde entwickelt und zeigt Lektionen aus dem natürlichen Bewegungsablauf der Pferde, die durch systematische Gymnastizierung vervollkommnet wurden.
Der barocke Reitmeister Francois Robichon de la Guérinière fand den noch heute gültigen korrekten Sitz des Reiters und beschreibt als erster eine systematische Ausbildung für das Pferd, die vom Leichten zum Schweren führt, und noch heute als Grundlage für die klassische Reitkunst gilt. Guérinière lehnte jede Gewaltanwendung bei der Ausbildung des Pferdes ab und verlangte, dass jedes Pferd individuell ausgebildet werden müsse, so wie es seine Anlagen erfordern. Das, was das Pferd auszuführen vermag, soll es in freiwilligem Gehorsam und gern tun. Das Pferd wird nicht verbogen, sondern entsprechend seinen Anlagen gefördert. Der Weg ist das Ziel !  

Gliederung in "Schulen auf der Erde" und "Schulen über der Erde"

Schulen auf der Erde:
Seitengänge, Piaffe (stolzer Tritt), Passage (spanischer Tritt), fliegende Galoppwechsel, Pirouetten, Redop (Schulgalopp), Spanischer Schritt, Terre à Terre

Schulen über der Erde:
Pesade, Levade, Mezair, Lancade, Courbette, Croupade, Balotade, Capriole, Pas et Saut (Schritt und Sprung)

Balotade

Das Pferd springt mit allen 4 Beinen fast gleichzeitig in die Luft, die Hinterhufe "zeigen die Eisen" (im Gegensatz zur Croupade) in dem Augenblick, in dem sich der Körper in der Waagerechten befindet, als wenn es ausschlagen wollte, ohne dies wirklich zu tun. Die Vorderbeine sind hierbei angezogen.

Capriole (ital.: capriola = Bocksprung)
Das Pferd springt mit allen 4 Beinen fast gleichzeitig in die Luft und streicht (schlägt) mit den Hinterbeinen in dem Augenblick mit voller Kraft aus, in dem sich der Körper in der Waagerechten befindet. Die Vorderbeine sind hierbei angezogen.

Wird in den Pilaren auch mit am Boden verbleibenden Vorderbeinen als sog. Stand-Capriole gezeigt.

In Saumur bezeichnet man ein Ausschlagen der Hinterhand beim stehenden Pferd als Croupade.

Courbette

Ursprünglich ist die Courbette ein hoch heraus gesprungener kraftvoller Galopp mit geringstem Raumgewinn im Zweitakt. Die Vorhand wird höher und taktmäßiger erhoben und länger in der Luft gehalten als im Mezair, wobei die Hinterhand der Vorhand in dem Augenblick, da sie wieder aufsetzt, in niedrigen, kurzen, kraftvollen Sätzen folgt. Vorder- und Hinterbeine müssen hierbei stets auf gleicher Höhe sein, kein Fuß darf dem anderen beim Niedersetzen vorstehen.

 

Heutzutage (z.B. in der Wiener Hofreitschule) hebt sich die Vorhand hoch empor und das Pferd vollführt mehrere Sprünge auf der Hinterhand, dabei darf das Pferd mit der Vorhand den Boden nicht berühren.








In Saumur bezeichnet man diese Pesade als Courbette.

Kreuz in Courbetten   (siehe auch "Sarabande")
Diese Übung war bereits zur Zeit Guérinières fast in Vergessenheit geraten. Sie wird folgendermaßen ausgeführt:
Das Pferd wird in Courbetten 4 Pferdelängen vorwärts, danach 4 Pferdelängen rückwärts, wieder 2 Pferdelängen vorwärts, 2 Pferdelängen nach rechts traversierend, 4 Pferdelängen nach links traversierend sowie abschließend 2 Pferdelängen nach rechts traversierend bis zur Mitte der Linie geritten, dort angehalten und gelobt.

Zur Vorbereitung auf das Kreuz in Courbetten übte Guérinière das Pferd im Kreuz in der Passage. Sobald es darin sicher war, ließ er es im Kreuz in der Passage am Anfang, in der Mitte und am Ende jeder Linie eine Courbette springen. Nachdem diese Übung gefestigt war, konnte das gesamte Kreuz in Courbetten geritten werden.

Im Gegensatz zur Sarabande ist beim Kreuz in Courbetten peinlich genau auf gleiche Größe der Bodenfigur zu achten.

Croupade

Das Pferd springt mit allen 4 Beinen fast gleichzeitig in die Luft. Die Hufe versammeln sich im Augenblick der höchsten Schwebe unter dem Rumpf. Die Vorderbeine sind hierbei angezogen.

In Saumur bezeichnet man ein Ausschlagen des stehenden Pferdes mit der Hinterhand als Croupade.

Falcade (= die Hanken untersetzen oder senken)

Eine Falcade machen bedeutet, daß das Pferd bei der Parade im Galopp die stark gebeugte Hinterhand kurz, schnell und lebhaft unter den Körper setzt. 

Handarbeit 

Hier wird das Pferd vom Boden aus gearbeitet. Der Reiter geht am Kopf des Pferdes auf bestimmten Positionen (z.B. durch die Höhe verbremsend oder diagonal zum inneren Vorderbein-äußeren Hinterbein) mit und wirkt darüber hinaus auch über Stimme, Zügel und Gerte auf das Pferd ein. Das Pferd kann auf Kappzaum, Trense oder Kandare gezäumt sein. 

Lançade 

Die Lançade ist eine einmalige Sprungausführung des courbettierenden Pferdes. 

Langer Zügel

Das Pferd wird vom Boden aus am langen Zügel gearbeitet, indem der Reiter seitlich etwas versetzt (in Wien auf dem äußeren Hinterbein diagonal zur inneren Schulter, in Saumur am inneren Hinterbein diagonal zur äußeren Schulter) hinter dem Pferd mitgeht. Auch hier wirkt der Reiter, wie bei der Handarbeit, neben Positionswechseln durch den langen, das Pferd einrahmenden Zügel, Stimme und Gerte ein. Das Pferd ist auf Kappzaum oder Trense gezäumt. 

Laufcourbette

Besonderheit der Menorquin, wobei das Pferd sich auf den Hinterbeinen laufend vorwärts bewegt. 

Auf Menorca werden diese Pferde vor allem für Auftritte auf Sommerfesten eingesetzt.

Levade

Das gesamte Gewicht des Pferdes wird von der Hinterhand getragen, während sich die Vorderhand in einem Winkel von ca. 35-45° vom Boden erhebt. in dieser Stellung verharrt das Pferd einige Sekunden.

Guérinière erwähnt die Levade mit so niedriger Erhebung, wie wir sie heute schätzen, nicht.

Mezair

Im Mezair galoppiert das Pferd im Zweitakt mit geringem Raumgewinn. Wird flacher aber stärker vorwärtsgehend gesprungen als die ursprüngliche Courbette, aber etwas höher als das Terre à Terre.
Vorder- und Hinterbeine müssen hierbei stets auf gleicher Höhe sein, kein Fuß darf dem anderen beim Niedersetzen vorstehen.

Das Mezair wird auch "Halbschule" genannt, weil die Vorhandhebung zwischen Terre à Terre und Courbette liegt, oder als halbe Courbette bezeichnet, da dies ziemlich genau die Bewegung beschreibt, die ein Pferd bei dieser Lektion macht.

Laut Guérinière wird das Mezair immer in Travers- oder Renvers-Stellung geritten.

Pas et Saut (Schritt und Sprung)
Diese Lektion wird nach Guérinière in drei Zeitpunkten gemacht: 
Den ersten macht ein kurzer Galopp oder Terre á Terre, den zweiten eine Courbette und den dritten eine Capriole. Dies wird auch mehrfach hintereinander ausgeführt.


Terre á Terre         +         Courbette         +         Capriole     

Pferde, die sich nicht stark genug fühlen, wiederholt Capriolen zu springen oder starke Springer, die in ihrer Leistung nachlassen, machen diese Lektion von selbst, um den Zeitpunkt zur Capriole besser zu treffen.

Passage (ital.: passeggio = Spaziergang)

In der Passage bewegt sich das Pferd in deutlicher Vorwärtstendenz durch federndes Abstoßen von einem diagonalen Beinpaar auf das andere. Es hält jedoch die erhobenen diagonalen Beinpaare länger und höher in der Schwebe als im Trab.
Guérinière wünschte in der Passage nur ca. 30 cm Vorwärtsbewegung. Er arbeitete seine Pferde sehr häufig in der Passage statt im Trab und bei der Arbeit in der Bahn dabei fast immer in Schulterherein-, Traversal- oder Renvers-Stellung. Nur für Vorführungen, Feierlichkeiten, Umzüge oder an der Spitze eines Trupps duldete er eine nur leichte Stellung des Halses bei gerader Richtung der Schulter und der Kruppe.

Die Passage wird in der Wiener Hofreitschule auch als Spanischer Tritt bezeichnet. 

Wenn das Pferd dabei das jeweilige Vorderbein gestreckt nach vorne führt (wie im Spanischen Schritt), nennt man diese Lektion Spanischer Trab.

Pesade

Erhebt sich das Pferd steiler (über 45°) als in der Levade, ergibt sich die Pesade. Im Gegensatz zum herkömmlichen Steigen sind hier die Hinterbeine immer noch leicht gebeugt. 

Nach Guérinière benutzt man diese Übung, um ein Pferd so vorzubereiten, daß es die Vorhand gut heben lernt und später freier springt.

Manche Ausbildungsstätten bezeichnen mit Pesade die Levade und umgekehrt. 

Piaffe (Stolzer Tritt)

Die Piaffe gilt als natürliche Bewegung des Pferdes und wird, wie die Passage, aus dem Imponierverhalten des Hengstes abgeleitet. Die Piaffe ist ein "Trab auf der Stelle". Diagonales Abfußen von einem Beinpaar auf das andere. Die deutlich gesenkte Hinterhand muss hierbei die Last des Pferdes in höchstem Maße aufnehmen und die Beine zum kräftigen Abfedern auf der Stelle - oder mit einer Hufbreite vorwärts - veranlassen.

Gemäß Guérinière hat die Piaffe als gymnastizierende Übung die Aufgabe, dem Pferd die Hankenbeugung und das Sich-von-hinten-Tragen beizubringen.

 

 

 

 

Pilare

Das Pferd wird zwischen zwei runden, 1.5 m voneinander entfernten, senkrecht im Boden stehenden Pfählen ausgebunden. Dient zum Training und zur Vervollkommnung der Piaffe und der Schulen über der Erde ohne Raumgewinn.

Pirouette

Das Pferd springt im versammelten Galopp mit den Hinterbeinen in sechs bis acht Sprüngen einen möglichst kleinen Kreis. Die alten Meister nannten es "auf Tellers Größe tummeln".

Redop bzw. Schulgalopp (4-Takt-Galopp)
Nach Guérinière ist der Schulgalopp (Redop) ein stark versammelter Galopp, bei dem die Bewegung der Vorhand abgekürzt, die der Hinterhand schnell ist. Durch das Gleichmaß der Galoppsprünge entsteht jene schöne abgemessene Bewegung, die den Zuschauer ebenso sehr begeistert, wie sie dem Reiter Vergnügen bereitet.

Reprise
Eine mehrmals wiederholte Lektion, die man ein Pferd ausführen läßt. Zwischen zwei Reprisen läßt man es verschnaufen.

Sarabande (in Courbetten)
Diese Übung war bereits zur Zeit Guérinières fast in Vergessenheit geraten. Sie wird folgendermaßen ausgeführt:
Das Pferd wird 2 Courbetten vorwärts, danach 2 Courbetten rückwärts, dann 2 Courbetten nach rechts und 2 Courbetten nach links zur Seite geritten und immer so weiter, so lange es Kraft und Veranlagung des Pferdes erlauben, ohne (wie beim Kreuz in Courbetten) auf gleiche Größe der Bodenfigur zu achten.

Spanischer Schritt 

Der Spanische Schritt kann in Freiheit bei Hengsten und Wallachen im Kampf und Spielen beobachtet werden. Das Pferd geht im Schritt, die Vorhand wird dabei sehr hoch erhoben und in einem großen Bogen nach vorne geführt.

Nicht zu verwechseln mit dem Spanischen Tritt, was in der Spanischen Hofreitschule (Wien) die Bezeichnung für die Passage ist.

Spanischer Trab
Wird diese Übung in einer trab- bzw. passageartigen Vorwärtsbewegung ausgeführt, so spricht man vom Spanischen Trab

Terre à Terre

Zwei-Takt-Galopp (die Beine aber noch in Galopp-Stellung, im Gegensatz zum Mezair, bei dem die Beine genau nebeneinander fußen müssen), bei dem beide Hinterbeine fast gleichzeitig unter den Körper springen, wenn die Vorhand aufsetzt und sich beide Vorderbeine fast gleichzeitig erheben, wenn die Hinterhand aufsetzt. Ein kurzer, rascher, lebhafter und niedriger Gang, der wie eine Reihe aufeinanderfolgender, kleiner, dicht am Boden verlaufender Sprünge anzusehen ist. 
Nach Guérinière wird das Terre à Terre immer in Travers- oder Renvers-Stellung seitwärts oder geradeaus geritten.

Ist genau wie das Mezair eine Übung, die im Krieg das Pferd befähigen sollte, geschickt und wendig ausweichen zu können. Aus dieser Lektion heraus kann ein Pferd z.B. zur Verteidigung in die Luft springen oder blitzschnell in jede Richtung wenden oder losgaloppieren.

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