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Der
Kladruber
Das Gestüt Kladrub in Tschechien ist das älteste Nationalgestüt der Welt, gegründet 1579 (also ein Jahr vor Lipizza) vom böhmischen König und römisch-deutschen Kaiser Rudolf II. Die Pferde wurden hier "wild", d.h. ohne Zäune und in großen Herden, gehalten. Die Zucht der Kladruber wurde durch Spanische Pferde, später auch Neapolitaner, Dänen und Holsteiner aufgebaut, um repräsentative Gala-Kutsch- und Paradepferde für den Wiener Kaiserhof zu züchten. Der Kladruber ist eng mit dem Lipizzaner verwandt. Zur Zucht wurden nur harte und gesunde Tiere genommen, alles andere wurde unbarmherzig aussortiert. Der zahlenmäßig kleine Bedarf am Hofe, bedingt durch die Langlebigkeit dieser Pferde, hat dies ermöglicht. Bis zum Jahre 1918, dem Zerfall der Donau-Monarchie, hielt der Wiener Hof je zwei Schimmel- und Rappen-Achterzüge mit einer Reserve von bis zu 36 Pferden. Es entwickelten sich zwei Farbzuchten:
Die Schimmellinie in Kladrub
gründet auf dem Rapphengst Peppoli, seinem Sohn Imperatore (Schimmel), und
dessen Enkel Generale I, Generale II und Generalissimo. Korrekt wird diese Rasse heute als "Altkladruber" bezeichnet. Früher wurden Pferde nach ihrem Abstammungsort benannt (also Kladruber, Lipizzaner, Neapolitaner). Nachdem aber Europa im 19. Jh. nach den napoleonischen Kriegen eine Anglomanie-Welle erlebte, und auch in Kladrub englische Pferde Einzug hielten (Vollblüter und Cleveland Bays), wollte man die "Ramsköpfe" von jenen abheben und benutzte für sie den Begriff "Altkladruber". Die Zucht erlebte schwere Zeiten, konnte aber Mitte des 20. Jh. wieder gefestigt werden. Zur Blutauffrischung wurden Lipizzaner sowie ein Lusitano- und ein Friesenhengst eingesetzt. Die "Staatszugpferde" bildeten im Gestüt immer nur eine Minderheit. Auch im "Umsturz-Jahr" 1989 gab es in Kladrub nur etwa ein Viertel Altkladruber Schimmel, gemessen an der gesamten Pferdepopulation, die überwiegend aus Warmblütern bestand. Nach dem Umsturz 1989 sah es zuerst nach unbegrenzten Möglichkeiten aus. Bald aber kam die Ernüchterung, die vom Gestütsmanagement Erfindergeist und schöpferisches Denken verlangten, wobei die eventuellen Lorbeeren sehr hoch hängen, denn ein Welt-Vergleich ist heute leicht möglich. Mit Zustimmung des Landwirtschaftsministeriums wurde der Altkladruber zur wichtigen Gen-Reserve erhoben, die Rasse wird als lebendiges Kulturgut verstanden, als Anteil des weltlichen kulturellen Erbes. Das Nationalgestüt Kladrub hat unter seinem Dach das Gestüt Slatinany integriert, wo die Rappen in vergangenen Dekaden erfolgreich regeneriert wurden. Nun halten beide Gestüte beide Farbschläge, wodurch deren eventuelle Bedrohung durch Krankheiten o.ä. halbiert wurde. Im Gestüt wurde eine Genetische Kommission gegründet, um eine genetische Analyse der Rasse auf molekularer Ebene durchzuführen. Es wurde ein Antrag erhoben, das Gestüt samt der hier entstandenen Pferderasse des Altkladruber Galakarossiers zum Nationalen Kulturdenkmal zu ernennen. Dies stellte einen weltweiten Präzedenzfall dar, denn erstmals wurde hier ein Wirtschaftstier unter Denkmalschutz gestellt. Der Landwirtschaftsminister bildete einen eigenen Beratungskreis für das Altkladruber Pferd, u.a. mit Oberrat Dr. Jaromír Oulehla, der derzeitige Chef sowohl vom Bundesgestüt Piber als auch von der Spanischen Hofreitschule. Nach den etwa 40 Jahren Isolation zeigen sich Fachkontakte lebensnotwendig, in punkto Zucht genauso wie in punkto Ausbildung. Seinen Einfluss hatte die eineinhalbjährige Ausbildungstätigkeit eines langjährigen Schülers von Egon von Neindorff, Eberhard Weiss. "Feines Reiten" doziert periodisch auch Richard Hinrichs, der ja selbst Altkladruber reitet. Die Basis zum Anschluss an die Spitze im Fahrsport wurde gelegt, und die Altkladruber kamen zum langfristigen Trainingsaufenthalt ins Ausland, z.B. auch zu Tjeerd Velstra. Das Gestüt pflegt innigsten Kontakt mit Weltspitzenfahrern, die Altkladruber vorstellen, und man versucht, ihnen nach Möglichkeiten Pferde zur Verfügung zu stellen. Auch gelang es, einen
Sechsspänner Altkladruber Schimmelhengste zurück in den Hofdienst zu bringen.
Der königliche Marstall von Dänemark setzt diese Tradition fort. Die
"Staatszugpferde" sind wieder Staatszugpferde. Das typische Rassemerkmal der imposanten Altkladruber ist der ausdrucksvolle Ramskopf. Charakterlich zeichnen sich diese Pferde durch gutes Sozialverhalten, Nervenstärke und eine geringe Aggressionsbereitschaft aus. Sie eignen sich ebenso gut für das Dressurreiten wie zum Fahren. Im
Jahr 1995 wurde der Altkladruber |