
Pura Raza Española
- Pferd der Könige -
Die
Geschichte dieser ältesten Kulturpferderasse Europas ist eng mit der Geschichte
Spaniens verbunden und reicht bis in die Antike zurück. Bereits Homer nimmt im
8. Jh. v.Chr. in der Ilias auf die Spanischen Pferde Bezug. Aus Darstellungen
dieser Epoche wissen wir, dass sich der Typ des Pferdes über die Jahrtausende
bis in die Jetztzeit nur wenig verändert hat. Die Bedeutung des Spanischen
Pferdes und der Einfluss der iberischen Reitkunst ist in antiken und
mittelalterlichen Quellen schriftlich belegt. Berühmt waren die Spanier vor
allem für ihre spektakuläre Reitweise mit blitzschnellen Spurts, Stopps und
Wendungen – und dies alles in höchster Versammlung und unter absolutem
Gehorsam des Pferdes. Diese wurde unter dem Namen „Gineta-Reiterei“ (von
jinete = gutes Reitpferd, s. auch "Genete") berühmt. Dieser Reitstil konnte sich nur auf der
Basis der Iberischen Pferde entwickeln, die mit ihren kurzen Rücken, ihrer natürlichen
Aufrichtung und hohen Versammlungsfähigkeit einen tiefen Sitz und gute
Einwirkung ihrer Reiter erlaubten.
Durch
die Rückbesinnung auf klassische Werte fand in der Renaissance (15.-17.
Jahrhundert) eine Wiederbelebung der Klassischen Reitkunst statt und damit
begann der Triumphzug des Spanischen Pferdes durch alle Königshöfe Europas.
Durch Einkreuzung der bodenständigen Landesrassen mit Spanischen Hengsten
entstanden völlig neue Pferderassen: In Italien der Neapolitaner, in Dänemark
der Frederiksborger und Knabstrupper, im damaligen Kaiserreich Österreich in Böhmen
(Tschechien) der Kladruber, in Lipizza der heute weltberühmte Lipizzaner, in den
Niederlanden der Friese. Spanische Pferde hinterließen ihre Prägung in vielen
englischen Pferderassen, z.B. im Hackney und vor allem im Connemara. Selbst
an der langwierigen, genetischen Entstehung des Englischen Vollblutpferdes
sollen sie maßgeblich beteiligt gewesen sein: So waren lt. Newcastle die „Royal Mares“, die
den Ursprung der Englischen Vollblutzucht bildeten, ebenfalls zum guten Teil
spanischen Ursprungs. Gleichzeitig eroberten Spanische Pferde gemeinsam mit den
Conquistadores die Neue Welt. Sie hinterließen ihr genetisches Erbe in den
meisten Pferderassen Nord- und Südamerikas, wie z.B. Appaloosa, Criollo, Paso,
Quarter Horse usw. Die spanische Vaquero- also Hirtenreiterei prägte die
Reitweisen des Neuen Kontinents, die heutige Westernreitweise läßt diese Basis
deutlich erkennen.
Unter
dem Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638-1715)
erlebte die
Klassische Reitkunst in Frankreich ihren Höhepunkt.
Ein großer Teil der königlichen Reitpferde waren
Spanische. Somit fand der große
Reitmeister François Robichon de la Guérinière am Hof von Versailles
(1688-1751)
dann unter Ludwig dem XV. (1710-1774) jenes kulturelle Ambiente, in dem er das bis heute einflußreichste Werk über das klassische
Reiten schaffen konnte. Für seine Verdienste um die Reitkunst durfte Guérinière
den Titel Ecuyer du Roy (Reitmeister des Königs) führen.
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Bis
in unsere Zeit wird die klassische Schule in der Spanischen Hofreitschule in
Wien, der Königlich-Andalusischen Reitschule in Jerez und der Portugiesischen
Hofreitschule in Lissabon gepflegt. |
Im
18. Jahrhundert verlor das Spanische Pferd jedoch relativ schnell an Bedeutung.
Auslöser dafür war die radikale Veränderung des erwünschten Pferdetyps und
des Reitstils. Das englische Vollblut konnte sich nach Beendigung der Türkenkriege
unter entscheidendem Einfluß der arabischen und türkischen Pferde entwickeln.
Nun waren Schnelligkeit und Freiheit des Stils oberstes Prinzip der neuen
Reitweise, die ihren Ausdruck hauptsächlich in Galopprennen und Jagdritten
fand. Das Spanische Pferd und die alten Grundregeln des Gleichgewichts und der
Versammlung gerieten in Vergessenheit, waren sie doch in ihrer praktischen
Anwendung für den Turfalltag und die Kavallerieschulen Europas nicht nur zu zeitaufwendig, sondern überflüssig.
Erst ab 1970 begannen intensive Bemühungen
von Züchtern und staatlichen Stellen in Spanien, die Bedeutung des spanischen
Pferdes wieder herzustellen - eine Bedeutung, die
es in den letzten Jahrzehnten dank der Rückbesinnung auf klassische und 'alternative'
Reitweisen wieder
zurückzuerobern scheint.
William
Cavendish, Duke of Newcastle (1592-1676), englischer Reitmeister der
Renaissance, schwärmt in seinem bemerkenswerten Buch "A General System of
Horsemanship":
"Wisset,
daß von allen Pferden der Welt, aus jedweglichem Teile oder Klima sie seyn
mögen, die Pferde aus Spanien die besten seyn. Wenn es wol ausgesuchet ist, so
ist sicher kein edler Pferd in der Welt; dann hat es den schönsten Wuchs, von
der Ohrspitze bis zur Spitze des Fußes, man kann kein schöneres finden. Es ist
nicht so klein als das Barbarische (Berber) und nicht so groß wie das
Neapolitanische, sondern hält zwischen diesen beiden die Mitte. Es ist von
großer Stärke, großer Hertzhaftigkeit, gar gelehrig, geschickt und trottiert
ernsthaft und mit den schönsten Geberden. Es ist stolz im Galopp, und im
starcken Lauffen ist es viel schneller als andere Pferde, auch viel edler und
liebreicher, es ist das tauglichste unter allen für einen großen Monarchen,
wenn er sich entweder triumphierend seinem Volcke zeigen will oder sein ganzes
Kriegsheer persönlich anführet."
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